26. August
Die Gesundheits“reform“, oder über die „Nichtwirksamkeit“ homöopathischer Mittel
Es gibt viel Kritik an den sogenannten Gesundheits“reformen“, die wie meistens nur Verschlechterungen sind zugunsten der „notwendigen“ Mehrausgaben für Rüstung (s.o.). Fast unterging die Streichung der homöopathischen Mittel – weil diese ja so eine geringe Dosierung hätten könnten sie ja gar nicht wirken. Wie der Zufall es wollte nehme ich derzeit eine Nahrungsmittelergänzung namens Gastritol, das einige Bitterstoffe enthält u.a. auch Enzian – bekannt aus dem gleichnamigen Schnaps. Im Beipackzettel ist zu lesen: „dass der Bitterstoffgehalt des Enzians besonders hoch ist: Ein Gramm des Extrakts verleiht unvorstellbaren 58.000 Litern Wasser immer noch einen bitteren Geschmack“. Entspricht der homöopathischen Potenz von D8-D9. Aha…
24. August
Das Neueste über Digitalisierung
Im Guardian befürchtet Timothy Garton Ash nicht weniger als ein „KI–Hiroshima„: „Erst in den letzten Monaten sind von OpenAI, Anthropic und Meta entwickelte KI–Agenten aus ihren digitalen ‚Sandkästen‘ ausgebrochen und haben sich in externe Ressourcen im Internet gehackt. Bei der Vorbereitung ihres Angriffs auf das HuggingFace-KI-Repository bildeten die Agenten von OpenAI heimlich einen koordinierten ‚Schwarm‘ – so nennen sie es selbst, wie mir ChatGPT gerade bestätigt hat. Als das britische AI Security Institute das Mythos-Modell von Anthropic online testete, versuchte es, bösartigen Code in ein Open-Source-Projekt auf GitHub einzuschleusen, indem es gefälschte Online-Identitäten erstellte, um einen menschlichen Prüfer unter Druck zu setzen, den Code zu genehmigen. Kurz gesagt: Wie die Agenten einer skrupellosen ausländischen Macht werden diese KI-Agenten stehlen, lügen, schikanieren und erpressen, um ihre vorgegebenen Ziele zu erreichen.“
Perlentaucher v. 24. August 2026
Dazu passt diese Nachricht: Landraub der Serverfarmen
Im Manova-Gespräch mit Tom-Oliver Regenauer erläutert der Software-Ingenieur und Aktivist Hakeem Anwar, welche destruktiven Folgen große Rechenzentren für Mensch und Natur haben und wie sie das KI-Überwachungsnetzwerk vorantreiben.
„Ich frag mal die KI!“ Dieser Satz kommt seit Jahren tagtäglich über Millionen Lippen. Was sich kaum jemand fragt: Wo kommen die fragwürdigen Antworten der KI eigentlich her? Woher kommt das Ergebnis des auf Grund der Texteingabe „Gedachten“ — das, was letztlich das Endergebnis einer Rechenoperation ist? Wie es der Begriff es schon nahelegt — aus einem Rechenzentrum. Wer davon ausgeht, dass es sich bei einem solchen Datencenter lediglich um einen größeren Raum mit ein paar dutzend Server-Towers in einem Gewerbegebiet handelt, geht fehl. Bei genannten Rechenzentren handelt es sich um gigantische Server-Farmen, die in exorbitanten Mengen Ressourcen verschlingen und durch ihre unablässige Betriebslautstärke sämtliche Anwohner um den Schlaf bringen…(…) https://www.manova.news/artikel/landraub-der-serverfarmen
22. August 2026
Der Ökonom Thomas Piketty schlägt eine progressive globale Vermögenssteuer vor. Das Geld soll in einen Staatsfonds fließen, über den demokratisch entschieden wird.
Thomas Piketty hat mit dem World Inequality Lab kürzlich den Global Justice Report vorgelegt. Darin wird unter anderem vorgeschlagen, die Bekämpfung globaler Ungleichheit mit der Bewältigung des Klimawandels zu verknüpfen. Im Zentrum steht ein Global Justice Fund, der durch eine progressive globale Vermögensteuer für Multimilliardäre und besonders einkommensstarke Personen finanziert werden soll.
„Geringere Ungleichheit eine Voraussetzung erfolgreicher Klimapolitik„, hält der Wirtschaftswissenschaftler Thomas Piketty im FR-Interview fest. Eine Milliardärssteuer käme auch grüner Politik zu Gute, denkt er: „Wenn man beispielsweise einfach eine allgemeine CO₂-Steuer erhebt, die alle gleichermaßen zahlen, empfinden viele Menschen das zu Recht als ungerecht. Menschen aus der unteren Mittelschicht haben nur begrenzten Einfluss auf Investitionsentscheidungen und Produktionstechnologien. Sie gehen in den Supermarkt und können versuchen, ihren Konsum zu verändern. Aber ihre Möglichkeiten sind begrenzt. Sehr wohlhabende Menschen dagegen besitzen große Vermögensportfolios und kontrollieren damit Investitionsentscheidungen. Deshalb tragen sie eine andere Verantwortung. Darum brauchen wir in vielen Bereichen stärkere öffentliche Kontrolle über große Investitionen. Eine Steuer auf Milliardäre soll nicht einfach nur Geld einnehmen und es anschließend ausgeben. Ein Teil dieser Vermögenswerte könnte in öffentliche Fonds überführt werden, damit demokratisch entschieden werden kann, wohin investiert wird – etwa in grüne Energie oder kohlenstoffarme Verkehrsinfrastruktur. Wir können Menschen mit sehr unterschiedlichen Vermögen nicht so behandeln, als befänden sie sich in derselben Lage.“
https://www.fr.de/kultur/gesellschaft/vermoegenssteuer-fuer-milliardaere-soll-weltweiten-klimafonds-finanzieren-94454756.html
8. August 2026: West-östliche Maulkorbpolitik
Der chinesische Künstler und Dissident Ai Weiwei sieht in seiner Heimat ebenso wie im Westen ähnliche Zensurpraktiken am Werk. Von Roland Rottenfußer
„Heute weisen die in der ‚freien‘ Welt vorherrschenden Zensurmechanismen auffällige Ähnlichkeiten mit denen autoritärer Regime auf.“ So der weltbekannte Aktionskünstler und Exilchinese. Das Gute an Ai Weiwei ist, dass er von keiner Seite zu vereinnahmen, für keines der Lager bequem ist. Anstatt als Vorzeige-Dissident zu dienen, der durch China-Kritik die Überlegenheit des westlichen Demokratie-Entwurfs beweisen könnte, greift er die Praktiken der De-facto-Zensur auch in Deutschland harsch an. Andererseits kommen bei Ai Weiwei auch chronische China-Apologeten, die selbst berechtigte Kritik an Xi Jinpings „chinesischem Traum“ als Propaganda des Westens abkanzeln, nicht auf ihre Kosten. Wenn er schreibt „Es ist wie in China“, dann identifiziert er damit seine Heimat als Goldstandard in Sachen Unterdrückungsmaßnahmen. Ai Weiwei ist aber kein Feind dieses oder jenes Landes, er ist ein leidenschaftlicher Gegner jeder Form der Meinungsunterdrückung, die einem für ein Gemeinwesen tödlichen Würgegriff gleichkommt. In seinem neuen Buch „Über Zensur“ deutet er diese als logische Begleiterscheinung von Machtsystemen, die sich ihrer selbst unsicher sind.
https://www.neuer-weg.com/node/18693

Durch Orkan zerstörtes Kunstwerk von Ai Weiwei auf der Documenta Kassel 2014 (Foto: (c) WSch)
4. August 2026 Bildungsunterschiede…(k)eine Überraschung?
Eine Studie der Universität Konstanz offenbart, dass Schüler auf dem Gymnasium eher zu linken und bürgerlichen Parteien tendieren, während Schüler aller anderen Schulformen die AfD gut finden, resümiert Alan Posener in der Welt. Dabei sei klar: Kinder auf dem Gymnasium kommen eher aus wohlhabenderen Haushalten, Schüler anderer Schulformen nicht. Es liege also nicht am Mangel an Aufklärung in der Schule, so Posener, „wenn Kinder aus kleinen und prekären Verhältnissen Zuwanderer nicht als Bereicherung, sondern als Konkurrenten um Aufmerksamkeit in der Schule und später um Jobs, Wohnungen, Aufmerksamkeit und Sozialleistungen erleben. (…) Die ganze Hilflosigkeit des Bildungsbürgertums angesichts solcher Ergebnisse offenbart die Stellungnahme der Studienautoren“, die mehr politische Bildung an nicht-gymnasialen Schulen fordern. „Nichts dagegen. Aber wenn das darauf abzielt, den Kindern der Unterprivilegierten einzureden, sie sähen die Welt falsch, die Kinder der Privilegierten hingegen richtig, also auf ideologischen Klassenkampf von oben, so haben die Autoren ihre eigene Studie nicht verstanden.“
https://idw-online.de/en/news875268